Untervektorraum
Ein Untervektorraum ist eine Teilmenge eines Vektorraums, die weiterhin unter Addition und Multiplikation mit einem Skalar abgeschlossen ist.
Definition
Sei V ein Vektorraum. Ein Untervektorraum W wäre dann eine Teilmenge des Raums V, wobei die Menge W selbst ein Vektorraum wäre. Eine nichtleere Teilmenge W ⊆ V muss also diese beiden Bedingungen erfüllen, damit sie ein Untervektorraum von V ist: für alle x, y ∈ W und für jedes a ∈ ℝ gilt:
- x + y ∈ W,
- a · x ∈ W.
Wir müssen also aus V eine solche Teilmenge auswählen, dass diese Vektoren unter Addition und Multiplikation abgeschlossen sind.
Untervektorräume des Raums R3
Wir nehmen den Raum ℝ3 und suchen einen Untervektorraum.
- Wie wäre es zum Beispiel mit allen Tripeln der Form (a, a, a), wobei a ∈ ℝ. Das sind Tripel wie
oder (−π, −π, −π). Ein solcher Untervektorraum, nennen wir ihn W1, wäre eine Teilmenge des Raums ℝ3, d. h. W1 ⊆ ℝ3, denn ℝ3 enthält ja alle Tripel.
Ein solcher Raum wäre bezüglich der Vektoraddition abgeschlossen, denn
Nach der Addition zweier Vektoren erhielten wir einen neuen Vektor, der wieder drei gleiche Komponenten hätte, und ein solcher Vektor ist in der Menge W1 enthalten. Die Menge W1 erfüllt also die erste Bedingung für einen Untervektorraum. Erfüllt sie aber auch die zweite Bedingung?
Ja, denn das k-Fache verändert wieder alle drei Komponenten des Vektors, und zwar völlig gleich:
Wir erhalten wieder einen Vektor, dessen drei Komponenten gleich sind, und ein solcher Vektor liegt in der Menge W1. Die Menge W1 ist also ein Untervektorraum von ℝ3.
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Wir können versuchen, alle Tripel (a, b, c) zu nehmen, für die a, b, c ∈ [−1; 1] gilt. Diese Menge bezeichnen wir mit W2, und ihre Elemente sind zum Beispiel die Tripel
oder . Sind die Elemente von W2 unter der Addition abgeschlossen? Ganz sicher nicht, denn ergibt das Tripel , das nicht zu W2 gehört. Die Menge W2 bildet also keinen Untervektorraum von ℝ3, die Menge W2 bildet überhaupt keinen Vektorraum. -
Nun nehmen wir alle Tripel der Form (a, 0, b), wobei a, b ∈ ℝ. Das sind alle Tripel, deren zweite Komponente null ist. Diese Menge bezeichnen wir mit W3. Ist diese Menge unter der Addition abgeschlossen? Ja, denn
Das Ergebnis ist das Tripel (a + c, 0, b + d), dessen zweite Komponente null ist und dessen übrige zwei Komponenten reelle Zahlen sind. Dieses Tripel liegt sicher in W3. Ist W3 unter der Multiplikation abgeschlossen? Ja, denn
Wir erhalten wieder das Tripel (k · a, 0, k · b), dessen zweite Komponente immer null ist und dessen übrige Komponenten reelle Zahlen sind. Ein solches Tripel ist ein Element von W3. Die Menge W3 bildet also einen Untervektorraum von ℝ3. Beachte, dass auch Tripel der Form (a, b, 0) oder (a, 0, 0) einen Untervektorraum bilden würden.
Untervektorräume der Polynome
Im vorigen Artikel haben wir den Vektorraum der Polynome gezeigt. Zur Wiederholung: Ein Polynom ist ein Term der Form
Wir setzen voraus, dass an ≠ 0. Der Grad eines solchen Polynoms ist dann genau die Zahl n. Die reellen Zahlen a0, …, an nennen wir Koeffizienten des Polynoms. Ein Beispiel für ein Polynom ist der Term 4 + 3x − 7x2. Wir versuchen, einen Untervektorraum zu finden. Sei also P(x) der Vektorraum aller Polynome.
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Zuerst versuchen wir die Menge aller Polynome vom Grad n, wobei n ≥ 0, diese Menge bezeichnen wir mit W1. Im vorigen Artikel haben wir schon festgestellt, dass das überhaupt kein Vektorraum ist, also wird es kaum ein Untervektorraum von P(x) sein. Wiederholen wir: Multiplizieren wir zum Beispiel ein Polynom aus W1 mit null, erhalten wir das Polynom p(x) = 0, das per Definition den Grad −1 hat. Dieses Element liegt also in keinem W1.
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Für W2 versuchen wir, alle Polynome vom Grad n und kleiner zu nehmen. Für n = 2 liegen also in W2 alle Polynome vom Grad 2, 1, 0, −1. Ist diese Menge unter der Addition abgeschlossen? Ja, denn die Summe zweier Polynome vom Grad n wird nie einen größeren Grad als n haben, sie kann nur einen kleineren haben. Ebenso ist diese Menge unter der Multiplikation abgeschlossen, denn jedes k-Fache eines Polynoms p(x) kann entweder ein Polynom desselben Grades oder das Nullpolynom ergeben. Beide Möglichkeiten deckt die Menge W2 ab, also bildet W2 einen Untervektorraum von P(X).
Grundlegende Eigenschaften von Untervektorräumen
Sei V ein Vektorraum und seien W1 und W2 zwei seiner Untervektorräume. Dann gilt:
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Der Schnitt W1 ∩ W2 ist ein Untervektorraum von V.
Sei ℝ3 der Vektorraum und seien W1 und W2 Untervektorräume, wobei W1 aus den Tripeln der Form (a, b, 0) und W2 aus den Tripeln der Form (a, 0, b) besteht, mit a, b ∈ ℝ. Der Schnitt W1 ∩ W2 ist dann die Menge der Tripel der Form (a, 0, 0) – eine solche Menge ist offensichtlich ein Untervektorraum von ℝ3.
Das ist aber natürlich kein Beweis. Der sähe so aus: Wir nehmen einen beliebigen Vektorraum V und zwei seiner Untervektorräume W1 und W2. Wir wollen nun beweisen, dass für alle x, y ∈ W1 ∩ W2 gilt: x + y ∈ W1 ∩ W2.
Da die Vektoren x und y im Schnitt W1 ∩ W2 enthalten sind, muss sicher gelten, dass x, y ∈ W1 und zugleich x, y ∈ W2 (das gilt nach der Definition des Schnitts von Mengen). Da W1 und W2 zugleich Vektorräume sind, muss auch x + y ∈ W1 gelten und zugleich x + y ∈ W2 (das gilt nach der Definition der Vektorräume). Nun haben wir aber x + y ∈ W1 und zugleich x + y ∈ W2, woraus folgt, dass x + y ∈ W1 ∩ W2 (wieder aufgrund der Definition des Schnitts von Mengen – liegt ein Element in der Menge W1 und auch in der Menge W2, muss es auch in ihrem Schnitt liegen).
Weiter müssen wir die Abgeschlossenheit der Multiplikation überprüfen. Wir müssen beweisen, dass für alle k ∈ ℝ und x ∈ W1 ∩ W2 gilt: k · x ∈ W1 ∩ W2. Das Vorgehen ist dasselbe. Da x ∈ W1 ∩ W2, gilt zugleich x ∈ W1 und x ∈ W2. Da W1 und W2 Räume sind, gilt k · x ∈ W1 und zugleich k · x ∈ W2 und somit k · x ∈ W1 ∩ W2. □
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Die Vereinigung W1 ∪ W2 muss nicht unbedingt ein Untervektorraum von V sein.
Um die zweite Eigenschaft zu beweisen, genügt es, ein geeignetes Gegenbeispiel zu finden. Wir kommen mit den vorherigen Räumen W1 und W2 aus, die Tripel der Form (a, b, 0) bzw. (a, 0, b) enthalten. Bilden wir ihre Vereinigung, erhalten wir alle Tripel, die an der zweiten oder dritten Stelle eine Null haben müssen. Die Vektoren (1, 0, 1) und (1, 1, 0) liegen also sicher in der Vereinigung W1 ∪ W2. Ihre Summe ist aber gleich dem Vektor (2, 1, 1), und das ist ein Vektor, der nirgends eine Null hat. Dieser Vektor liegt weder in W1 noch in W2, kann also auch nicht in W1 ∪ W2 liegen. Wir haben also zwei Vektoren gefunden, deren Summe nicht in derselben Menge liegt, also kann es sich nicht um einen Vektorraum handeln.
Kapitel: Vektorräume, Beispiele für Vektorräume, Untervektorraum, Linearkombination von Vektoren, Lineare Hülle, Basis eines Vektorraums, Dimension eines Vektorraums, Basiswechselmatrix