Wurzelgleichungen
Eine irrationale Gleichung, meist Wurzelgleichung genannt, ist eine Gleichung, in der die Unbekannte unter einer Wurzel steckt. Der Name bedeutet nicht, dass die Gleichung unvernünftig wäre, sondern nur, dass in ihr Wurzeln vorkommen, aus denen oft irrationale Zahlen entstehen. Zum Beispiel diese hier:
Die Wurzel werden wir los, indem wir die ganze Gleichung quadrieren. Quadrieren und Wurzelziehen heben sich gegenseitig auf, denn
Zur Sicherheit machen wir noch die Probe: Wir setzen das Ergebnis getrennt in die linke Seite der Aufgabe (LS) und in die rechte (RS) ein und vergleichen beide.
Es kam LS = RS heraus, das passt. Dieses Einsetzen wirkt wie übertriebene Gründlichkeit, gehört bei Wurzelgleichungen aber genauso zur Rechnung wie das Quadrieren selbst; ohne die Probe hast du kein Ergebnis. Das ganze Verfahren passt in vier Schritte: die Wurzel isolieren, die Gleichung quadrieren, lösen, was herauskommt, und zum Schluss die Probe machen.
Warum die Probe Pflicht ist
Quadrieren ist keine Äquivalenzumformung. Aus der Gleichheit zweier Zahlen folgt zwar die Gleichheit ihrer Quadrate, in die andere Richtung funktioniert das aber nicht: 3 ≠ − 3, und trotzdem ist 32 = (−3)2 = 9. Durch das Quadrieren kann daher eine Gleichung mit mehr Lösungen entstehen, als die ursprüngliche hatte. Sehen wir uns die Gleichung an:
Wir quadrieren beide Seiten und bringen alles auf eine Seite:
Wir haben eine quadratische Gleichung erhalten. Sie lässt sich zu (x − 2)(x + 1) = 0 zerlegen, die Lösungen sind also x = 2 und x = −1. Jetzt kommt die Probe, zuerst mit der Zwei:
Beide Seiten sind gleich, LS = RS, die Zwei ist also eine Lösung. Und wie sieht es mit minus eins aus?
Links kam eins heraus, rechts minus eins, also LS ≠ RS. Minus eins ist keine Lösung, obwohl die Rechnung sie uns brav geliefert hat. Die Gleichung hat nur die eine Lösung x = 2.
Woher kommt diese falsche Lösung? Am besten zeigt es die Abbildung. Die linke Seite der Gleichung ist die Funktion
Grau gestrichelt ist die Funktion
Die Abbildung verrät noch etwas: Beide Wurzelkurven, die rote und die graue, beginnen erst bei x = −2. Unter der Wurzel darf keine negative Zahl stehen, die Gleichung ergibt also nur für x ≥ − 2 einen Sinn. Das falsche minus eins liegt in diesem Bereich, die Bedingung fängt es deshalb nicht ab. Ans Licht bringt es erst die Probe.
Zuerst die Wurzel isolieren
Nehmen wir uns die nächste Gleichung vor:
Es ist sehr verlockend, gleich die linke Seite samt der Drei zu quadrieren. Aber das Quadrat einer Summe rechnet man nicht gliedweise, (a + b)2 = a2 + 2ab + b2, es käme also
heraus, und die Wurzel würde weiter in der Gleichung lauern, nur in hässlicherer Form. Deshalb isolieren wir die Wurzel zuerst auf einer Seite und quadrieren erst danach:
Die rechte Seite haben wir mit derselben Formel quadriert, (x − 3)2 = x2 − 6x + 9. Die quadratische Gleichung zerlegt sich zu (x − 6)(x − 2) = 0 mit den Lösungen x = 6 und x = 2. Die Probe beginnen wir mit der Sechs:
Es gilt LS = RS, die Sechs passt. Jetzt die Zwei:
Vier ist nicht zwei, LS ≠ RS. Reingelegt. Die einzige Lösung ist x = 6.
Warum ist die Zwei bei der Probe durchgefallen? Nach dem Isolieren hatten wir
Manchmal lässt die Probe gar nichts durch. Die Gleichung
Zwei Wurzeln
Sobald in einer Gleichung zwei Wurzeln aufeinandertreffen, reicht ein einziges Quadrieren in der Regel nicht aus. Das Vorgehen ändert sich aber nicht: isolieren, quadrieren, und wenn eine Wurzel übrig bleibt, die ganze Runde wiederholen. Versuchen wir es mit dieser Gleichung:
Beide Wurzeln auf einmal isolieren geht nicht, also bringen wir wenigstens
Rechts haben wir wieder ein Binom quadriert, deshalb ist das mittlere Glied
Wir haben zweimal quadriert, die Probe ist hier also doppelt angebracht:
LS = RS, das passt, die Gleichung hat die Lösung x = 4.